Leitbild der Ackermann-Gemeinde Würzburg„Es gibt keinen Frieden ohne Versöhnung und keine Versöhnung ohne Wahrheit und Gerechtigkeit“ Die Deutschen Bischöfe im Oktober 2000 Geschichte und ZieleDie Ackermann-Gemeinde ist eine katholische Gemeinschaft in Deutschland, diözesan strukturiert, mit besonderem Engagement für eine versöhnte deutsch-tschechische Nachbarschaft in der Mitte Europas. Unsere Gemeinschaft entstand im Januar 1946 aus einem Kreis sudetendeutscher Katholiken, gesammelt und motiviert an erster Stelle von P. Dr. Paulus Sladek OSA und Hans Schütz, dem nachmaligen Bayer. Sozialminister. Sie empfanden - soeben erst aus ihrer Heimat Böhmen, Mähren, Schlesien vertrieben - ihre Herkunft als Verpflichtung für ein Wirken in der Kirche, im Volk, im Staat und in der Gesellschaft. Die materielle Not zu lindern und den Vertriebenen in ihrer Heimatlosigkeit die Heimat in Glaube und Kirche bewusst zu machen, waren Ziele und Anliegen der damaligen Zeit. Ihren Namen entlehnt die Ackermann-Gemeinde der ersten neuhochdeutschen Prosadichtung, die um 1400 entstanden ist: Der Ackermann aus Böhmen von Johannes von Saaz. Dieses Streitgespräch zwischen dem „Ackermann“ und dem „Tod“ endet damit, dass sich beide unter Gottes Richterspruch wissen und diesen annehmen. Die Annahme des Vertreibungsschicksals als Richterspruch Gottes war 1946 und blieb bis heute das Sinnbild für eine Lebensgestaltung aus christlichem Glauben, Hoffen und Handeln. Die praktische Friedensarbeit im Dienste der Völkerverständigung und der Versöhnung, vor allem mit den Völkern Ostmitteleuropas, ist seit ihrer Gründung ein Schwerpunkt der vielseitigen Tätigkeit der Ackermann-Gemeinde und ihres Jugendverbandes, der Jungen Aktion, die diese Ziele in die Zukunft trägt. Heute ist unsere Gemeinschaft offen für alle, die sich die Ziele der Ackermann-Gemeinde und der Jungen Aktion zu eigen machen und das Leben unserer Gemeinschaft verantwortlich mitgestalten wollen. Die Junge Aktion beschreibt ihre spezifischen Aufgaben als Jugendverband der Ackermann-Gemeinde in einem eigenen Leitbildtext. Das Wirken der Ackermann-Gemeinde und ihrer einzelnen Mitglieder orientiert sich an den bei ihrer Gründung formulierten und immer wieder den Erfordernissen angepassten Leitsätzen: - Wir bemühen uns um ein Leben aus dem Glauben an Christus und seine Kirche. Wir setzen uns deshalb für die stete Erneuerung der Kirche und der Welt ein. - Wir nehmen am kirchlichen und politischen Leben aktiv teil und sind bereit zur Übernahme persönlicher Verantwortung in Kirche und Staat. - Geschichtsbewusstsein und kulturelle Verantwortung prägen unser Handeln. Insbesondere pflegen wir die kulturellen und geschichtlichen Überlieferungen der böhmischen Länder. Wir verstehen dies als unseren Beitrag bei der Gestaltung unserer Heimat in Franken. - Die Mitarbeit an der Verständigung und Aussöhnung des deutschen Volkes mit seinen östlichen Nachbarn ist eine unserer Hauptaufgaben. Dabei suchen wir nach gemeinsamen Grundlagen und Wegen für einen gerechten und dauerhaften Ausgleich. - Dazu schaffen wir Begegnungsmöglichkeiten und pflegen den offenen Dialog mit tschechischen kirchlichen und außerkirchlichen Persönlichkeiten und Gruppen, um historisch überkommene Vorurteile und stereotype Denkmuster zu überwinden. - Kenntnis und Respektierung der historischen, kulturellen, religiösen und menschlichen Gegebenheiten, ebenso der unterschiedlichen gesellschaftlichen und ideologischen Entwicklungen der Völker in Ostmitteleuropa sind für uns Grundlagen kompetenten Handelns. Erwerb und Weitervermittlung dieser Kenntnisse sind ein wichtiger Teil unserer Bildungsarbeit. - Wir erstreben eine europäische Ordnung, in der die Menschen- und Gruppenrechte und die Grundfreiheiten verwirklicht und gewährleistet sind. - Wir treten für die weitere politische Einigung Europas auf föderativer Grundlage und die Erweiterung der Europäischen Union ein. Fortschritte in diesem Prozess bilden die Gewähr für eine Zukunft in Frieden, Freiheit und Menschenwürde in ganz Europa. - Wir arbeiten für die praktische Durchsetzung und die dauerhafte Sicherung des Selbstbestimmungsrechtes aller Völker und Volksgruppen, für eine allgemein gültige völkerrechtliche Kodifizierung des „Rechtes auf die Heimat“ und für das Verbot jeglicher Vertreibung von Menschen. - Wir leisten ideelle und materielle Hilfe für Menschen in Not und beim inneren und äußeren Wiederaufbau der Kirche in Ostmitteleuropa, insbesondere in der Tschechischen und in der Slowakischen Republik. Wir verstehen uns als Nahtstelle in der Mitte Europas und dienen mit unserer Arbeit dem Frieden zwischen den Völkern. A.G. enda 21der Ackermann-Gemeinde WürzburgDie Ackermann-Gemeinde ist ein katholischer Verband und arbeitet aus christlicher Verantwortung seit 1946 für Frieden und Versöhnung in der Mitte Europas. Dabei setzt sie sich für die Bewältigung von Unrecht und Leid der Vergangenheit ein und auch für eine gute Nachbarschaft mit den anderen osteuropäischen Ländern v.a. zwischen Deutschen, Tschechen und Slowaken. Die Ackermann-Gemeinde hält es für geboten: - aus den Erfahrungen der Vergangenheit zu lernen, - an gute Traditionen anzuknüpfen, - neuen Fehlentwicklungen vorzubeugen, - den Willen zu Verständigung und Versöhnung immer wieder zu erneuern, - grenzüberschreitend Solidarität zu üben und - christliche Wertvorstellungen zur Geltung zu bringen. Deshalb setzt sich die Ackermann-Gemeinde folgende Ziele: 1. Böhmen, Mähren, Schlesien und die Slowakei sollen verstärkt in das Bewusstsein der deutschen Mitbürger gerückt werden. Deshalb ist weiterhin das Interesse für Geschichte und Gegenwart dieser Teile Europas zu wecken. Vorurteile zwischen Deutschen, Tschechen und Slowaken müssen überwunden und unsere Nachbarn als ebenbürtige mitteleuropäische Partner geachtet werden. Begegnungen, Partnerschaften und grenzüberschreitende Aktionen sollen die Menschen einander näher bringen. 2. Die in Jahrhunderten gewachsene Kultur von Tschechen, Deutschen und Slowaken, Christen und Juden, soll in ihrer überregionalen Bedeutung für Europa erkannt, anerkannt und lebendig erhalten werden. Die Bewahrung dieses vielfältigen kulturellen Erbes und seine schöpferische Weiterentwicklung in Gegenwart und Zukunft ist der Ackermann-Gemeinde ein besonderes Anliegen. Dabei wirbt sie auch für ein größeres Interesse für die tschechische und slowakische Sprache in der deutschen Gesellschaft. 3. Die Ackermann-Gemeinde stellt sich den gesellschaftlichen Problemen unserer Zeit. Grundlage der Mitarbeit am Aufbau einer gerechten Ordnung in Europa ist die katholische Soziallehre, Richtschnur sind die Achtung des Menschen in seiner von Gott verliehenen Würde und die Grundsätze von Solidarität und Subidiarität. In diesem Rahmen soll die Not vor allem jener Menschen gelindert werden, die von Flucht, Vertreibung oder Migration betroffen sind. Besondere Beachtung gilt ebenso der Integration Fremder in unsere Gesellschaft. 4. Die Ackermann-Gemeinde tritt für Demokratie und Menschenrechte ein. Individualrechten wie Gruppenrechten muss weltweit Geltung verschafft werden. Die Würde des Menschen bleibt unantastbar. Nationale Minderheiten sind bei der Entfaltung ihrer kulturellen Eigenart zu schützen und so zu unterstützen, dass sie in ihren Staaten nach eigenem Selbstverständnis solidarisch mit dem Mehrheitsvolk leben können. Vertreibungen dürfen kein Mittel zur Lösung von Konflikten sein; sie sind weltweit zu ächten. 5. In ökumenischer Offenheit lädt die Ackermann-Gemeinde alle zur Mitarbeit ein, die diese Ziele bejahen, sie verwirklichen und dabei Gemeinschaft erleben und pflegen wollen. Die Ackermann-Gemeinde sucht die Zusammenarbeit mit allen, vornehmlich christlichen Organisationen, die ähnliche Ziele verfolgen, um gemeinsam mit ihnen grenzüberschreitend die geistige und gesellschaftliche Entwicklung in der Mitte Europas zu gestalten. Aus dem Glauben an Jesus Christus und seine Kirche suchen die Mitglieder der Ackermann-Gemeinde nach Orientierung für ihr persönliches Leben und das Leben ihrer Gemeinschaft. Fest verankert in der Kirche wollen sie mit ihrem Denken, Reden und Handeln Zeugnis ablegen für die Verwirklichung christlicher Wertvorstellungen in der sich wandelnden Welt. |